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Carina & Oma Elfriede: Du, ich und das rote Sofa

Carina & Oma Elfriede:

„Du, ich und das rote Sofa“


Lange bevor Frauenpower zum Markenzeichen der Spice Girls und Jahre später zu einer gesellschaftlichen Bewegung avancierte, wurde sie mir praktisch in die Wiege gelegt. So weit ich zurückdenken kann, gab es meine Oma, meine Mama und mich im Dreierpack. Drei Generationen und ein Bund, der alle neuen Lebensumstände überstanden hat. Als Kind war es für mich selbstverständlich, diese beiden Frauen immer an meiner Seite zu haben. Erst später wurde mir bewusst, wie sehr mich eben dieses weibliche und liebevolle Umfeld geprägt hat.

Hey Nana - Carina & Oma Elfriede

Auch unser Umzug von Österreich nach Deutschland konnte mich nicht von meiner Oma entfernen.

Wenn ich zu Besuch kam, saßen wir zusammen auf ihrem roten Sofa. Manchmal quatschten wir, meistens schauten wir einfach gemeinsam fern, während ich meinen Kopf auf ihren Schoß oder ihre Schulter legte. Die Jahre vergingen, die Tradition blieb. Dort auf diesem roten Sofa konnte ich wieder Kind sein und Geborgenheit in den Armen meiner Oma finden. Dort, wo alles ganz unbeschwert war, während draußen das Leben tobte.

Von klein auf schenkte mir meine Oma Zeit und Aufmerksamkeit. Zum Beispiel, als sie das Publikum spielte, weil ich ihr im Wohnzimmer eine Tanzshow vorführte. Oder als wir gut zwanzig Jahre später mit der Sonne im Gesicht um den Wörthersee spazierten. Sie hat mir vielleicht keine speziellen Lebensweisheiten oder Lehren mit auf den Weg gegeben. Aber ich habe von ihr das wertvollste Geschenk bekommen, was sich ein Mensch wünschen kann: bedingungslose Liebe. Was sich kitschig anhören mag, ist mitverantwortlich dafür, dass auch ich heute so lieben kann und emphatisch bin. Ich erinnere mich noch daran, wie sie ihren Ehemann bis zum Tod gepflegt und nie aufgegeben hat. Ich lernte, was es bedeutet, selbstlos zu sein.

Hätte ich beim letzten Mal gewusst, dass ich nie wieder auf diesem roten Sofa sitze werde, wäre ich auf dem Schoß meiner Oma bestimmt noch ein bisschen länger liegen geblieben. Seit der Diagnose im vergangenen Jahr hat sich viel verändert. Das rote Sofa gibt es nicht mehr, da sie aufgrund ihrer Krankheit woanders hinmusste. Trotz vieler Tränen und neuen Herausforderungen ist unsere Verbindung geblieben. Jedes Mal, wenn wir telefonieren, sagt mir meine Oma: „Wenn du glücklich bist, dann bin ich auch glücklich.“ Ich weiß von ganzem Herzen, dass sie diese Worte genau so meint.

Diese OMAge stammt von Carina Parke. Die Journalistin und Hundemama von Sissi (im Bild) schreibt am liebsten über soziale Themen und engagiert sich ehrenamtlich bei Amnesty Deutschland.

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Balbina & Oma Helena: Das Leben möchte bis zum Anschlag gelebt werden

Balbina & Oma Helena:

„Das Leben möchte bis zum Anschlag gelebt werden”


Was ich von meiner Oma lerne, ist dass jeder Moment zählt. Dass das Leben zum Anschlag gelebt werden möchte. Dass jede Sekunde und das zu jeder Lebenszeit, es wert ist, ausgeschöpft zu werden. Und ich zeige ihr, dass ich in jedem Schritt, den ich gehe, aus mir heraus das jetzt mit Leben erfülle. Es zumindest versuche. Das macht sie glücklich. In ihrem Wohnzimmer stehen überall Schnappschüsse von Dingen, die ich gelebt habe. Sie lebt sie mit.

Hey Nana - Balbina & Oma Helena

– 01/ 19/09 –

Der Moment
halb getränkt
in Tristesse,
er ist endlich.

Die Zelle,
trägt ihr Ende
beschützt es
durch ihren Text.

Jenes Licht
am Morgen
ist wertvoll,
da es erlischt.

Mein Leben,
begrenzt.

Sinnvoll,
da es endet.

Hey Nana - Balbina & Oma Helena

Diese OMAge stammt von der Musikerin Balbina. Im Herbst veröffentlicht sie ihr neues Album „Punkt.“ und tritt mit gleichnamiger Show am 3. Oktober 2019 in der Hamburger Elbphilharmonie auf.

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Thekla & Oma Ruth: Respekt, Liebe und Dankbarkeit haben nichts mit Ansprüchen zu tun

Thekla & Oma Ruth:

„Respekt, Liebe und Dankbarkeit haben nichts mit Ansprüchen zu tun”


Ich komme aus einer Familie – oder besser gesagt, ich bin zusammengesetzt aus zwei Familien, deren Oberhäupter die Frauen sind, waren und bleiben werden. Die Mütter meiner Eltern, meine Großmütter, haben Feminismus gelebt, weit bevor wir den Begriff in Podcasts diskutierten. Väterlicherseits habe ich leider nicht mehr viel Familie, um meine Mutter herum spinnt sich aber ein kompliziertes Netz aus Brüdern, der Mutter – meiner Oma, die im Mai 90 Jahre alt wurde und ihrem Lebensgefährten, und uns – den Enkeln und unseren Kindern. Dreh und Angelpunkt ist das Elternhaus meiner Mutter, der Ort an dem meine Oma die vier Jungs und ein Mädchen großzog. Sie kochte in der Schule und zu Hause.

Mein Opa starb vor meiner Geburt und meine Oma zog, ein Stück durch den Wald in ihr neues Leben, mit ihrem jetzigen Lebensgefährten. Unweit von diesen beiden Häusern und dem Waldstück ist der Bahnhof, seit einigen Jahren im Besitz meines Onkels. Es ist ein Dreieck im freien Land, geometrisch, aber in sich nicht logisch, immer, wenn ich darauf schaue, sehe ich nur Irrungen, Wirrungen. Unweit der Geburtsstadt Fontanes wohnt nun also noch ein Großteil der Familie – zusammen und doch oft allein. Der Respekt vor meiner Oma ist immens, auch wenn die Zeit voran ging, blieb er hoch.

Wie ein Denkmal wirkt sie oft – und so wird sie auch behandelt. Als könne sie nicht mit der Zeit gehen, als wollte man nicht, dass sie weiterhin mit der Zeit geht. Vielleicht, weil die Endlichkeit in Sicht scheint. Jeder möchte es ihr Recht machen – und jeder weiß, wie sie es eigentlich machen würde. Oder gesagt hätte.

Hey Nana - Thekla & Oma Ruth

Was Oma gesagt hat, war Gesetz. Denn sie hat es ja immer gemacht. Sie war immer der Boss.

Aber jetzt ist sie es nicht mehr – sie wird schwächer. Sie ist jetzt eine alte Dame, eine sehr lustige alte Dame, die Scherze über die Lieben der Enkel macht – und deren größtes Glück die (auch daraus entstandenen) Ur-Enkel sind. Und mit diesen möchte sie eigentlich nur Zeit verbringen. Doch es scheut sie häufig, die Angst vor Überanstrengung, die Sorge, nicht zu réussieren. Ich wünschte mir häufig, wir könnten es alles leichter nehmen. Es ihr leichter machen. Uns allen. Die (falschen) Ansprüche bei Seite schieben. Denn Respekt, Liebe, und Dankbarkeit haben nichts mit Ansprüchen zu tun – sondern mit der Zeit, die wir gemeinsam verbringen.

Ich bin mir sicher, wenn man sein Leben lang stark war, dann ist man froh, wenn man sich irgendwann einfach zurücklehnen darf. Und die Früchte nicht mehr ernten und einkochen muss. Sondern einfach sein darf.

Wenn ich sie das nächste Mal sehe, werde ich sie fragen, ob dem wirklich so ist. Denn, da beginnt es schon wieder – auch ich möchte nichts über ihren Kopf hinweg behaupten.
Denn ihr Kopf, das war und bleibt unser Oberhaupt.

Diese OMAge stammt von Thekla Wilkening. Sie hat mit 25 ihr erstes eigenes Unternehmen, die Kleiderei, gegründet und setzt nachhaltige Konzepte im Mode-Bereich um und berät Unternehmen. Für Thekla gehören Nachhaltigkeit, Umsichtigkeit und Verantwortung zusammen. 

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Purista & Oma Gertrud: Das erste Mal im Leben Liebeskummer. Und das mit 80

Purista & Oma Gertrud:

„Was heißt schon Glück, mein Mädchen?“


Seit er von uns gegangen ist, schläfst du nachts nur noch auf dem Sofa. Der Fernseher läuft leise bis zum Morgengrauen durch, damit du dich nicht einsam fühlst. Dein kleiner Hund Bobby hält treu die Stellung, kuschelt sich unter der braunen Wolldecke an deine Füße – und so wartet ihr gemeinsam, bis die Morgensonne wieder etwas Licht ins Dunkel bringt. Es gibt Stunden, in denen du deine Trauer vergisst. Stunden, niemals Tage. Morgens, abends und in der Nacht ist die Sehnsucht am größten.

Tagsüber bekommst du viel Besuch: Nachbarn, Freunde, Verwandte lassen sich auf ein Tässchen Filterkaffee einladen, manchmal raffst du dich sogar auf und backst einen deiner fabelhaften Kuchen. Aber Leidenschaft steckt keine mehr hinter deinem einstigen Hobby, denn der Appetit ist dir längst vergangen. Beim Karten spielen oder quatschen lässt du es dir nicht anmerken, dass du innerlich zerbrichst. Du reißt dich zusammen, schließlich muss das Leben weitergehen.

„Ein richtiges Leben ist das nicht mehr“, erzählst du mir am Telefon, klingst müde, abgeschlagen, lustlos. Vergesslich bist du auch geworden, kopflos, bist oft nicht bei der Sache, sondern in Gedanken. Ich kann es verstehen.

Hey Nana - Purista & Oma Gertrud

Wozu über das Wetter, die Benzinpreise oder die Landtagswahlen sprechen, wenn du nirgends mehr einen Sinn siehst. Mit wem sollst du jetzt deine Gedanken teilen?

Wie gerne würde ich dir diesen Schmerz abnehmen. Dich in meine Arme schließen und dir sagen, dass alles wieder gut wird. So wie du es früher bei mir getan hast, als ich hinfiel und mir wehtat, später beim Liebeskummer und während anderer schwieriger Lebensphasen. Du warst mir immer wichtig und bist es auch jetzt noch. Bist mein zweites Zuhause. Unzählige Ferien haben meine Schwester und ich bei dir und Opa verbracht. Du hast mir gezeigt wie man den weltbesten Schweizer Wurstsalat zubereitet, hast mir sämtliche Klamotten geflickt und mir immer wieder heimlich Geld zugesteckt – ohne, dass Opa je davon erfahren hat.

Die Urlaube an der Costa Brava gehören zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen: Jeden Tag mit liebevoll gepacktem Picknick-Korb am Strand verbringen, abends in die kleine Altstadt zum Calamari essen, Ausflüge zu nahegelegenen Sehenswürdigkeiten – und an guten Tagen, gab es sogar zwei Eis für mich. Herrlich!

Du hast dich stets aufgeopfert, deine eigenen Wünsche hintangestellt und warst dein Leben lang bemüht, es jedem recht zu machen. Manchmal sogar ein bisschen zu viel.

Aber du konntest nicht anders. Freunde und Familie zählten immer mehr als du selbst. Das hat Opa gehasst. Ihr habt euch sehr viel deshalb gestritten. Aber nicht nur deshalb, sondern auch darüber, wer den Rasen mähen, Staub saugen oder einkaufen gehen soll. Manchmal hat er dich regelrecht genervt und du warst froh, ihn mit Bobby zum spazieren gehen zu schicken.
Und jetzt ist er weg und du wünschst dir nichts sehnlicher, als noch einmal mit ihm streiten zu können. „Ich erinnere mich nur noch an die guten Momente, alles andere ist wie weggeblasen. Jetzt denke ich, wir hätten viel öfter gemeinsam ausgehen sollen, mehr reden und das Leben genießen. Doch erst wenn der andere weg ist, weiß man, was man an ihm hatte.“ Und ich frage mich: Wie kann man nach über sechzig Jahren Beziehung, nach über 20.000 miteinander verbrachten Tagen, allein klarkommen? Wie füllt man den Alltag, die freie Zeit? Ich bin genauso hilflos wie du.

Doch eines wird mir klar: Liebe hat kein Ablaufdatum. Wahre Liebe ist immer und allgegenwertig. Man sollte sie schützen wie ein rohes Ei, sie jeden Tag pflegen und sich wieder und wieder daran erinnern, dass sie unser höchstes Gut ist. Auch wenn das geflügelte Wort „Carpe Diem“ mittlerweile ziemlich abgedroschen klingt, ist es doch wahr.

Jeder Tag ist eine neue Chance, geliebten Menschen zu sagen, wie wichtig sie uns sind.

Das Leben ist zu kurz für den richtigen Moment. Und auch wenn Opa nicht mehr hier ist, hat er einen besonderen Platz in unseren Herzen. Oma, ich bin stolz auf dich. Stolz, dass du maßgeblich daran beteiligt warst, dass ich heute bin, wer ich bin. Jetzt ist es an mir, für dich da zu sein, zuzuhören, dich abzulenken. Du hast das erste Mal in deinem Leben Liebeskummer. Und das mit achtzig Jahren. Aber du bist eine starke Frau, du schaffst das! Vermutlich hilft es, Udo Jürgens zu glauben, der so treffend gesungen hat: „Wenn das Schicksal uns alles nimmt, vertrau der Zeit.“

Das ist es, was du nun von mir lernen kannst: Hoffnung zu haben! Denn ich weiß, dass der Schmerz weniger wird und die Tage leichter, dass du wieder aus vollem Herzen lachen wirst, dass der Appetit zurückkommt und vielleicht sogar der Spaß am Backen. Die Erinnerungen an Opa werden liebevoll sein und Geborgenheit schenken. Und irgendwann wirst du wieder in einem richtigen Bett schlafen: mit einem gemütlichen Kopfkissen und einer Decke, unter der sich dein Bobby zu dir kuscheln kann.

Diese OMAge stammt von Purista Merk. Sie ist Redakteurin und Social Media Managerin, lebt mit ihrer Familie am Ammersee bei München und war schon immer ein Oma-Kind. Sie ist gerne unterwegs, packt Koffer wie ein Profi und schreibt auch am liebsten über diese beiden Themen: puristamerk.de

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Nicole & Oma Inge: Was heißt schon Glück, mein Mädchen?

Nicole & Oma Inge:

„Was heißt schon Glück, mein Mädchen?“


Meine Omi ist keine glückliche Frau. Meine Omi ist eine zufriedene Frau. Auf die Frage, was sie glücklich macht, antwortet sie mit der Gegenfrage: „Was heißt schon Glück, mein Mädchen?“.

Sie ist zufrieden mit ihrem Leben und damit, dass es ihren Lieben gut geht und alle gesund sind. Das Streben nach Selbstverwirklichung, Luxus, Einfluss und Geld ist ihr fremd. Mich selbst erdet das immer wieder, wenn ich als beschleunigte Großstädterin bei ihr in der Heimat bin. Frische Luft, Hausmannskost und Spaziergänge sind für sie wichtiger als Social Media, Netflix und Handyspiele. Diese Dinge sind ihr äußerst zu wider und sie rügt täglich meinen Opi, der sich stets darin versucht, sich mit seinem Smartphone auseinanderzusetzen, um letztendlich daran zu scheitern und meine Zeit beansprucht, um alle Grundeinstellungen wieder herzustellen. So bleibt weniger Omizeit.

Hey Nana - Nicole & Ihre Oma Inge

Heute versuche ich oft bei meiner Omi zu sein, auch wenn mir mein Leben aufgrund von Terminüberflutungen dieses Vorhaben nicht immer einfach macht.

Durch einen Sturz, der im Alter ohne Grund passieren kann, musste meine Omi operiert werden. Auf der Fahrt zu ihr ist mir unter Tränen bewusst geworden, wie wenig Zeit mir mit meiner 81-jährigen Omi noch bleibt und wie wichtig es mir ist, diese mit ihr nochmals richtig zu nutzen.

Meine Omi beschreibt sich selbst als solide Frau, die über 40 Jahre in Vollzeit gearbeitet, vier Kinder und ein erhebliches Stück auch mich groß gezogen hat. Sie hat mir Werte vermittelt wie Ehrlichkeit, Fleiß, Pünktlichkeit und Loyalität. Sie hat mir Lebensweisheiten mit auf den Weg gegeben wie „geht nicht, gibt es nicht“, „selbst ist die Frau“, „Sauberes sollte man sauber halten“ und „was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“. Von meiner Omi habe ich kochen, backen und nähen gelernt – Dinge, die Menschen heute gern von anderen ausführen lassen. Ich bin stolz, mir beides zugestehen zu können.

Ohne meine Omi wäre ich nicht die, die ich heute bin. Und dennoch sind wir grundlegend verschieden.

Gern haben wir Dickköpfe auch einmal Meinungsverschiedenheiten, die uns gegenseitig so richtig auf die Palme bringen. Der damit verbundene Frust hält aber nie lange an, denn ich weiß, meine Omi meint es immer nur gut mit mir, wenn sie sagt, ich trage zu viel schwarz, die Haare sind zu blond oder das Make-up zu stark. Meine Omi versteht nicht, wie ich mein fleißig erarbeitetes Geld für Fashion- und Lifestyleprodukte ausgeben kann. Das käme ihr als Frau der Kriegsgeneration niemals in den Sinn. Und dennoch ist sie Feuer und Flamme, wenn ich ihr zeige, wie frau einen Lippenstift aufträgt oder was Mascara so alles anstellen kann.

Heute versuche ich auch oft bei meiner Omi zu sein, weil seit dem Sturz Einiges nicht mehr geht. Den Haushalt zu schmeißen, gelingt nicht mehr so einfach wie früher. Meine Omi ärgert das sehr. Nie würde ihr in den Sinn kommen, dass andere das für sie übernehmen. Und dennoch mussten wir zwei ernste Gespräche im Hinblick auf diesen Lebensabschnitt führen. Ich möchte, dass es meiner Omi gut geht, es ihr an nichts fehlt und sie die nächsten Jahre genießen kann. Doch Genuss ist meiner Omi etwas Fremdes. Schaffen und eine Aufgabe haben, sind ihr eher vertraut. Ohne mich hätte meine Omi niemals eine Pflegestufe beantragt, die heute dazu dient, dass wöchentlich jemand im Haushalt unterstützt und nicht mehr ich das übernehme, so dass wir mehr Zeit miteinander haben.

Meine Omi wurmt auch, dass sie Dinge und Namen vergisst oder manchmal nicht mehr weiß, was in der Woche los war. Ich versuche sie dann stets mit den Worten zu beruhigen, dass wir alle da einmal hinkommen und wir zwei doch eher dankbar sein sollten, dass so lange, so vieles physisch und psychisch bei ihr funktioniert hat. Das bisschen Vergessen ist da gar nicht schlimm.

Meine Omi ist eine Kämpferin mit einem scharfen Geist. Eine Bombenfrau. Ein Vorbild für mich.

Ich bin unendlich dankbar, meine Omi zu haben. Ich hoffe sehr, dass wir noch ganz wunderbare Jahre miteinander verbringen – auch wenn diese mit der Zeit anders aussehen werden als wie wir sie bisher kannten. Meine Omi war immer für mich da und nun werde ich stets für sie da sein – unabhängig davon, was kommt und egal, was passiert. Omi, ich bin dir sehr dankbar und ich liebe dich!

Diese OMAge stammt von Nicole Engel. Sie weiß von Berufs wegen, dass Kommunikation und Begegnung essentiell fürs gesunde Miteinander sind: Als Diplom-Psychologin und Life- und Business-Coach hilft sie Menschen in ihre Power zu kommen.

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Kim & Oma Inge: Mittwochs treffen wir uns zum Quatschen und nehmen die Podcast-Oma auf

Kim & Oma Inge:

„Mittwochs treffen wir uns zum Quatschen und nehmen die Podcast-Oma auf”


Was lernen wir voneinander? Von meiner Oma lerne ich durch den Podcast, den wir zusammen machen, dass Humor einen im Leben immer weiterbringt. Dass man nicht das Interesse an Neuem, Unbekannten verlieren sollte, egal wie alt man ist. Außerdem: sich gegenseitig zuzuhören ist – in jedem Alter – so wichtig! Zuhören und fragen! Das hat unsere Enkel-Oma-Beziehung um ein Vielfaches bereichert, würde ich sagen.

Inge lernt von mir ganz viel über die Ansichten der jüngeren Generationen, auch, wenn sich ihre Weltansicht nun nicht mehr ändern wird in vielen Bereichen, dennoch ist sie nicht verschlossen gegenüber den Dingen, die heutzutage Menschen bewegen! Sprecht mit euren Großeltern! Fragt sie Löcher in den Bauch. Auch ihr werdet mal alt.

Hey Nana - Kim & Oma Inge: Mittwochs treffen wir uns zum Quatschen und nehmen die Podcast-Oma auf

Diese OMAge stammt von Kim Hoss. Die Kommunikaionsdesignerin aus Stuttgart hat mit ihrer Oma Inge einen Podcast ins Leben gerufen: Die 61 Jahre Altersunterschied bereichern die „Podcast-Oma“ und zeigen, wie wertvoll der Dialog der Generationen ist.

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Barbara & Oma Cala: Sie ist 94, ich 31 und wir führen eine WG

Hey Nana - Barbara & Oma Cala: Sie ist 94, ich 31 und wir führen eine WG

Barbara & Oma Cala:

„Sie ist 94, ich 31 und wir führen eine WG”


Hey Nana. Hier hat alles Platz, was den Dialog zwischen den Generationen anregt. Den Dialog anregen muss man bei uns eigentlich nicht. Meine Oma Cala ist 94, ich bin 31 – wir haben eine WG. Als mein Partner und ich unser Haus gebaut haben, haben wir uns dafür entschieden die Oma, die eigentlich nicht meine leibliche Oma, sondern das Kindermädchen meines Vaters war, bei uns zu integrieren. Mein Vater wohnt nebenan, er ist alleinstehend und kommt deshalb immer gern zum Abendessen rüber, weil er es genießt bedient zu werden. Dann kommt Oma stets aus ihrem Zimmer und wir essen zusammen und tauschen uns über den Tag aus. Manchmal anstrengend, wenn man nach 12 Stunden Büro nach Hause kommt, aber auch schön, weil es einen erdet und immer wieder verdeutlicht, dass die Familie am wichtigsten ist.

Aber von vorne: Als ich meine Oma frage, ob wir etwas zu Hey Nana beitragen wollen, sagt sie erst sie wisse nicht, was sie sagen soll, sie hätte nicht viel zu erzählen und das sei doch nicht interessant. Aber wir setzen uns trotzdem eines Abends mal hin und fangen an zu reden und mir wird währenddessen klar, dass ich vieles aus ihrem besonderen Leben noch nicht wusste, obwohl wir jeden Tag miteinander sprechen.

Überhaupt war es damals nicht selbstverständlich, dass Frauen Auto fahren konnten. Im Nachhinein bin ich wirklich froh, dass ich es gewagt habe.“

Auf was bist du stolz in deinem Leben? – das nehmen wir mal als Einstiegsfrage.
„Ich habe erst mit 50 den Führerschein gemacht“ strahlt sie. „Das ist doch etwas Besonderes, oder? Und eigentlich hat mich eine Klientin deiner Großmama dazu überredet. Die hat ihn auch gemacht und mich dann jedes Mal, wenn sie bei uns angerufen hat, gefragt ob ich mich jetzt endlich angemeldet habe. Irgendwann konnte ich es nicht mehr hören und habe mich angemeldet, nur damit ich mir die Fragerei nicht mehr anhören muss. [lacht]. Du weißt ja, ich fahre immer noch mit meinen 94 Jahren und jedes Mal wenn ich einsteige, streichle ich erst Mal mein Wägele weil es mir so gute Dienste leistet.“ (Ich nicke lächelnd, das kann ich bezeugen)

Wenn du nochmal in meinem Alter wärst, was würdest du dann tun, den Führerschein früher machen? Wärst Du überhaupt nochmal gern so alt wie ich?
„Ja, wahrscheinlich würde ich den Führerschein früher machen. Aber ich möchte nicht nochmal jung sein. Die ganze Technik und das Internet, das ist mir doch zu kompliziert. Aber ich bin eigentlich zufrieden mit meinem Leben. Du weißt ja, ich bin mit 14 von zu Hause weg auf einen Bauernhof, um mich da um den Haushalt und die Kinder zu kümmern, danach war ich in München in einem sehr feinen Haus bei einem Architekten und einer Opernsängerin als Hausmädchen und habe für sehr hochrangige Leute gekocht. Und dann bin ich zu euch gekommen. Ich habe insgesamt 11 Kinder großgezogen, und zu allen habe ich noch sehr guten Kontakt – sie haben mich alle nicht vergessen. Das ist doch schön oder, darauf kann man auch stolz sein?! Vielleicht würde ich auch mehr mit Sprachen machen. Bevor ich nach München bin, hätte ich die Chance gehabt, in einen Haushalt nach England zu gehen. Dann hätte ich sicher besser Englisch gelernt. Das ist schön an der heutigen Generation, dass Sprachen kein Hindernis mehr sind. Meine eine Nichte hat einen Russen geheiratet und mein Neffe eine Indonesierin. Das ist doch schön, dass die sich verständigen können – wenn die kein Englisch gekonnt hätten, dann wäre diese Liebe nicht möglich gewesen.“

Hey Nana - Barbara & Oma Cala: Sie ist 94, ich 31 und wir führen eine WG

Die Jungen können von den Alten lernen, dass man auch aus ganz wenig viel machen kann und alles für etwas verwenden kann. Aber andererseits ist es jetzt schön, dass alles so einfach ist.“

Was denkst du über den Ausspruch „Früher war alles besser“? „Also das kann ich überhaupt nicht verstehen, wie die Leute sowas sagen können. Früher war das Leben schwerer. Es gab nicht viel zu essen und man konnte nicht alles kaufen im Supermarkt, man musste eben nehmen was man selber hatte. Ich weiß noch, wie wir lange nach dem Krieg unsere ersten Orangen gegessen haben. Das war etwas ganz Besonderes. Heute kann man Orangen einfach im Supermarkt kaufen, das ist doch toll. Oder ich kann mich an ein einziges Mal erinnern, als meine Großmutter uns einmal ein kleines Stück Schokolade gegeben hat. Das war wunderbar. Die Schokolade war schon so alt, dass sie eigentlich gar keinen Geschmack mehr hatte – aber wir haben dieses Stück Schokolade so sehr geschätzt. Das ist das Einzige, was man vielleicht sagen könnte: man hat sich früher an ganz kleinen Dingen erfreuen können – weil man sich insgesamt mehr anstrengen musste. Man kann heute einfach in ein Tanzlokal fahren. Früher gab es Lastwagen, da hat man einfach ein paar Bänke hinten reingestellt und dann sind alle zusammen zum Tanzen gefahren. Das war auch eine schöne Zeit. Ich hatte zwei Brüder, und die haben immer darauf geachtet, dass ich nie allein rumsitzen musste, sondern haben mich dann immer gleich zum Tanzen geholt. Einmal habe ich da sogar mit einem Minister aus der Türkei getanzt, stell dir mal vor – ich ein einfaches Mädchen – bei diesen Abenden war das aber egal, da waren alle gleich. Und ich habe auch einen jungen Mann aus dem Rheinland kennengelernt. Der hat mir dann noch lange geschrieben.“

Wirklich, das hast du mir noch nie erzählt, und warum hat das dann aufgehört? „Naja, ich habe irgendwann gedacht, das bringt doch nichts. Ich bin hier im Süden und der dort oben – das hätte doch zu nichts geführt. Dann habe ich das beendet. Aber ich habe die ganzen Briefe erst kürzlich wiedergefunden. Die habe ich dann wohl von München mitgebracht und die ganzen Jahre und mehrere Umzüge mitgeschleppt.“

Bereust du das heute, dass du das beendet hast? „Nein, das kann ich nicht sagen. In meiner Familie gibt es nie Streit, alle helfen einander und stehen für einander ein (sie meint ihre zahlreichen Nichten und Neffen, eigene Kinder hat sie nie gehabt)… Und mit deinem Papa und euch haben wir doch auch so ein gutes Verhältnis, ich finde das einfach so schön, auch dass er jeden Abend zum Essen kommt, das ist einfach so toll, dass wir alle als Familie beisamen sein können.“ Ich lächle wieder und nicke.

„Ich genieße das Zusammenleben sehr. Auch wenn es manchmal Herausforderungen gibt wie den Staubsaugerroboter oder den neuen Herd, aber man muss ja mit der Zeit gehen – sonst wird man alt.”

Also findest du unseren Mehrgenerationenhaushalt ganz gut, oder überfordert es dich manchmal auch? „Ihr bringt alle so viel Leben ins Haus, das ist einfach wunderbar. Besonders das kleine Hundle, das ist so ein liebes Tierchen, das muss man einfach mögen.“ Jetzt grinse ich richtig.

Meine Oma kümmert sich rührend um den Staubsaugerroboter. Wenn er sich tagsüber, wenn ich auf Arbeit bin, mal irgendwo festgefahren hat, dann befreit sie ihn und redet ihm dann gut zu, bis er ins nächste Zimmer fährt. Sie erzählt dann abends immer, dass sie richtig Mitleid hat, wenn sie sieht, wie er sich abmüht, wenn er über die Teppichkante klettert. Und „das Hundle“ ist ihr ein und alles – der Hund wird immer als erstes begrüßt und verabschiedet und ist immer die erste Frage beim Abendessen, ob er tagsüber wieder etwas angestellt hat, oder ob er brav war.

Ich bin richtig stolz auf meine Oma. Wenn ich ganz ehrlich bin, hatten mein Ehemann und ich schon Angst,  ob das gut geht – einen alten Baum nochmal verpflanzen – jeder gibt einen Teil seiner Privatsphäre auf und im Leben miteinander muss jeder Kompromisse machen. Aber sie ist so positiv, beschwert sich nie und sieht immer nur das Positive an allem. Jede Herausforderung nimmt sie an und findet etwas Gutes daran.

Ich hoffe nur, dass ich im Alter auch noch so fit und posiitiv bin und bin sehr froh, dass wir die Oma bei uns im Haus aufgenommen haben. Vielleicht wird dieses Modell der Mehrgenerationen-WG ja auch mal wieder modern, ich denke das würde unserer Gesellschaft insgesamt gut tun – so wie unserer kleinen Familie.

Diese OMAge stammt von Barbara Reck. Sie ist Ingeneurin und ganz frisch Mama geworden. Ihre süße Familie lebt mit Hund Lya am Bodensee.

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Katharina & Oma Ines: „Wenn wir uns sehen, gibt es nur Real Talk”

Katharina & Oma Ines:

„Wenn wir uns sehen, gibt es nur Real Talk”


Good Night Stories For Rebel Girls. Das lese ich meiner Tochter am liebsten vor, denn mich faszinieren Powerfrauen und Feministinnen seit jeher. Wir können alle von diesen Lebenswegen, die mit Mut und Tatendrang gepflastert sind, lernen. Aber wisst ihr was? Man muss gar keine gedankliche Weltreise machen, um diese Macherinnen zu finden. Es gibt genug Kämpferinnen, deren Stories stehen in keinem Buch und sie sind uns sogar ganz nah: in der eigenen Familie. Ja, meine Oma Ines ist auch so eine. Viele Frauen der Generation unserer Großeltern sind für die Rechte der Frauen auf die Straße gegangen, sie standen nach dem Krieg alleine da oder waren mit krassen Schicksalsschlägen konfrontiert. Diese Frauen haben oft Unvorstellbares gemeistert.

Hey Nana - Katharina & Oma Ines: „Wenn wir uns sehen, gibt es nur Real Talk”

Wifey ohne Ambition, nicht mit mir. Danke, Oma.

Meine Oma ist keine von den „Früher war alles besser“-Omis. Im Gegenteil, durch ihre Biografie ist es ihr insbesondere wichtig als Frau auf eigenen Beinen stehen zu können und niemals abhängig von einem Mann sein zu müssen. Und so gab es von ihrer Seite auch immer Real Talk, wenn wir über Jungs sprachen. Während andere Familienmitgliedern romantische Reden schwangen oder auch traditionelle Rollenbilder vermittelt bekam, sagte Oma: „Ah, du hast jemanden kennengelernt, schön! Aber du musst ihn nicht gleich heiraten, hörst du!“

Sie hat mich nie gefragt, wann ich denn endlich heirate oder Kinder bekomme, so wie viele andere Großeltern. Ihr war immer besonders wichtig, dass ich für mich selbst sorgen kann. Das hat mich doch geprägt und in mir (genau wie in meiner Mutter) den beruflichen Ehrgeiz geweckt. Wifey ohne Ambition, nicht mit mir. Danke, Oma.

Und noch eine Sache, die ich von meiner Oma gelernt habe: Beim Blick auf den Teller meiner Tochter, sagte mein Vater kürzlich lachend: „Du wirst noch genauso wie deine Oma.“ Es war ein Seitenhieb in Richtung der Mutter meiner Mutter, denn sie achtete stets total darauf, ihre Familie mit gesundem Essen zu versorgen. Bescheidenheit und Nachhaltigkeit ist ihr eben wichtig. Auch wenn Letzteres mittlerweile ein Trendwort wurde, fand ich das nicht immer so hip. (Mein Vater wohl auch nicht). Klar, als Kind fand ich diese Themen ziemlich nervig, heute wünschte ich, dass viel mehr Menschen so denken würden, wie meine Oma. Bei ihr gab’s ganz dunkles Brot mit Quark, mit ein bisschen Marmelade. Das weiß ich heute zu schätzen – und ernähre meine Familie ebenfalls regional und bio.

Wenn also noch jemand sagen will, ich sei wie meine Oma, dann her damit. Das ist ein Kompliment für mich.

Diese OMAge stammt von Katharina Leithoff. Sie hat Rechtswissenschaften an der Universität Hamburg studiert und ist Mitgründerin der Refugee Law Clinic, die kostenlose Rechtberatung für Geflüchtete anbietet.

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